Wer im Kölner Westen wohnt, zwischen den Villenstraßen rund um den Stadtwald, den Studentenkneipen in Sülz und den ruhigen Einfamilienhauslagen in Junkersdorf, stellt sich früher oder später die Frage: Wie sicher ist Lindenthal eigentlich wirklich?[7]
Wir haben die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) der Polizei Köln[2] und die Strukturdaten der Stadt Köln[4] ausgewertet und zeigen, was die offiziellen Zahlen über die Sicherheitslage hergeben, wo ihre Grenzen liegen und wie der Stadtbezirk Lindenthal innerhalb der Stadt einzuordnen ist.
Wichtig: In NRW gibt es keine amtliche Statistik auf Stadtbezirksebene
Anders als zum Beispiel die Polizei Berlin mit ihrem Kriminalitätsatlas veröffentlicht die Polizei NRW die Polizeiliche Kriminalstatistik nur für das gesamte Stadtgebiet Köln, nicht aufgeschlüsselt nach den einzelnen Stadtbezirken oder Stadtteilen.[1] Verlässliche Fallzahlen ausschließlich für den Stadtbezirk Lindenthal oder den Stadtteil Lindenthal liegen daher offiziell nicht vor. Wir nutzen deshalb die nächstbeste amtliche Ebene, die gesamtstädtischen Kölner Zahlen, und ordnen sie für Lindenthal so weit wie seriös möglich ein. Wer eine erfundene Stadtteilrangliste verspricht, arbeitet mit Schätzungen, nicht mit amtlichen Daten.
Wie viele Straftaten gab es 2025 in Köln?
Im Jahr 2025 hat die Polizei im Stadtgebiet Köln insgesamt 142.452 Straftaten[2] erfasst. Das sind rund 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr (145.939 Straftaten in 2024). Damit ist die Gesamtkriminalität in Köln 2024 und 2025 zwei Jahre in Folge zurückgegangen.
Die Aufklärungsquote lag 2025 bei 50,38 Prozent.[2] Köln klärt damit inzwischen mehr als jede zweite registrierte Straftat auf, ein im Großstadtvergleich solider Wert. Im Vorjahr 2024 lag die Quote mit 49,06 Prozent noch etwas niedriger.
Eine eigene Fallzahl für den Stadtbezirk Lindenthal weist die Polizei nicht aus. Klar ist nur die Größenordnung der Bezugsgruppe: Im Stadtbezirk Lindenthal lebten Ende 2025 rund 153.655 Menschen[4], womit Lindenthal weiterhin der einwohnerstärkste der neun Kölner Stadtbezirke ist.
Köln im Zeitverlauf: Wie hat sich die Kriminalität entwickelt?
Über die letzten Jahre haben die Fallzahlen in Köln deutlich stärker geschwankt als in vielen anderen Großstädten. Während der Coronajahre 2020 und 2021 sanken die Zahlen spürbar, danach schnellten sie nach oben und erreichten 2023 mit fast 150.000 Fällen einen Höchststand. 2024 und 2025 ging es zwei Jahre in Folge wieder bergab.
| Jahr | Erfasste Straftaten in Köln |
|---|---|
| 2019 | 133.813 |
| 2020 | 123.579 |
| 2021 | 119.473 |
| 2022 | 141.164 |
| 2023 | 149.970 |
| 2024 | 145.939 |
| 2025 | 142.452 |
Erfasste Straftaten im Stadtgebiet Köln pro Jahr. Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik der Polizei Köln.
Wichtig zur Einordnung: Diese Werte gelten für ganz Köln. Lindenthal als wohlhabender Wohnbezirk im Westen gilt traditionell als ruhiger als die Innenstadt rund um Dom, Hauptbahnhof und die Ringe, wo sich Tagesfrequenz, Veranstaltungen und Verkehrsknoten ballen. Belegen lässt sich das mit amtlichen Stadtbezirkszahlen aber nicht, weil sie schlicht nicht erhoben werden.[1]
Welche Delikte verändern sich am stärksten?
Aufschlussreicher als die Gesamtzahl sind die Entwicklungen einzelner Deliktbereiche. Hier hat sich 2025 in Köln einiges bewegt, teils in entgegengesetzte Richtungen:
| Deliktbereich | Veränderung 2025 ggü. 2024 | Anmerkung |
|---|---|---|
| Wohnungseinbruchdiebstahl | -20,33 % | deutlicher Rückgang nach dem Vorjahresanstieg |
| Straßenraub | -21,33 % | Rückgang |
| Betäubungsmitteldelikte | -24,33 % | weiterer Rückgang |
| Fahrraddiebstahl | -6,68 % | Rückgang |
| Diebstahl an oder aus Kfz | -17,81 % | Rückgang |
Was hinter den Zahlen steckt:
- Wohnungseinbruch geht deutlich zurück. Mit einem Minus von 20,33 Prozent hat sich der starke Anstieg aus dem Vorjahr wieder umgekehrt.[3] Für die ruhigen Einfamilienhaus- und Villenlagen in Lindenthal, Junkersdorf, Müngersdorf und Weiden ist das eine spürbare Entlastung, weil Einbrecher genau solche Wohnlagen bevorzugt ins Visier nehmen.
- Drogendelikte gehen weiter zurück. Der Rückgang um 24,33 Prozent setzt den bereits im Vorjahr durch die Cannabis-Teillegalisierung ausgelösten Trend fort.[3]
- Fahrrad- und Autodiebstahl gehen weiter zurück. Beide Diebstahlsformen sind 2025 erneut gesunken (Fahrrad minus 6,68 Prozent, Diebstahl an oder aus Kfz minus 17,81 Prozent). Für eine fahrradstarke Wohngegend wie Sülz oder das Universitätsviertel ist das eine gute Nachricht.
- Straßenraub geht deutlich zurück. Ein Minus von 21,33 Prozent kehrt den Anstieg des Vorjahres um und betrifft als überwiegend innenstadtnahes Phänomen ohnehin eher die zentralen, stark frequentierten Lagen als die Wohnstraßen im Westen.
Der Stadtbezirk Lindenthal im Überblick
Der Stadtbezirk Lindenthal (Stadtbezirk 3) ist mehr als nur der gleichnamige Stadtteil. Er reicht vom innenstadtnahen Klettenberg bis weit in den Westen nach Widdersdorf und besteht aus neun einzelnen Stadtteilen:[4]
| Nr. | Stadtteil |
|---|---|
| 301 | Klettenberg |
| 302 | Sülz |
| 303 | Lindenthal |
| 304 | Braunsfeld |
| 305 | Müngersdorf |
| 306 | Junkersdorf |
| 307 | Weiden |
| 308 | Lövenich |
| 309 | Widdersdorf |
Auf einer Fläche von rund 4.169 Hektar leben hier etwa 153.935 Menschen[4], die Bevölkerungsdichte liegt im Schnitt bei rund 3.686 Einwohnern pro Quadratkilometer. Sie reicht aber von dünn besiedelten, grünen Lagen wie Müngersdorf (rund 1.638 pro Quadratkilometer) bis zum dicht bebauten Braunsfeld (rund 7.354 pro Quadratkilometer). Diese Spannweite ist auch für die Kriminalität relevant: dicht bebaute, stark frequentierte Lagen erzeugen erfahrungsgemäß mehr Gelegenheitsdelikte als ruhige Wohnstraßen, selbst wenn beide im selben Stadtbezirk liegen.
Polizeilich gehören Lindenthal, Sülz und Klettenberg zur Polizeiinspektion 2 (Kölner Süden und Südwesten) mit Wachen unter anderem in Sülz.[2] Die westlichen Stadtteile Junkersdorf, Weiden, Lövenich und Widdersdorf werden von den jeweils zuständigen Inspektionen mitbetreut.
Wer sind die Tatverdächtigen in Köln?
Hinweis zur Datenebene
Die folgenden Tatverdächtigenzahlen gelten für das gesamte Stadtgebiet Köln, nicht für den Stadtbezirk Lindenthal. Eine Aufschlüsselung nach Stadtbezirk veröffentlicht die Polizei nicht. Die Stadtteilstruktur in Lindenthal unterscheidet sich vom Kölner Mittel, deshalb lassen sich diese Anteile nicht ohne Weiteres auf den Bezirk übertragen.
2025 hat die Polizei Köln bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße 43.972 Tatverdächtige[2] ermittelt. Davon besaßen 17.885 keine deutsche Staatsangehörigkeit, das entspricht einem Anteil von rund 40,67 Prozent.[2]
Der Anteil schwankt je nach Deliktgruppe erheblich. Besonders hoch ist er bei Delikten, die stark von reisenden und überregional agierenden Tätern geprägt sind:
| Deliktgruppe | Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger (2025) |
|---|---|
| Straßenkriminalität | 47,22 % |
| Gewaltkriminalität | 45,30 % |
| Betrug | 41,13 % |
| Körperverletzung | 40,18 % |
| Sexualdelikte | 35,78 % |
Auffällig ist die Straßenkriminalität mit einem Anteil von 47,22 Prozent nichtdeutscher Tatverdächtiger, der höchste Wert der hier ausgewiesenen Deliktgruppen. Straßenkriminalität ist stark von der Innenstadt, Bahnhöfen und stark frequentierten öffentlichen Räumen geprägt, kaum von reinen Wohnlagen wie weiten Teilen Lindenthals.
Wichtige methodische Einschränkungen
Die Zahlen sollten ohne diese Einordnungen nicht weitergegeben werden:
- Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen.[5] Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für jeden Tatverdächtigen die Unschuldsvermutung.
- "Nichtdeutsch" bezeichnet die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Ein in Köln geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn seine Familie eingewandert ist. Eine Aufschlüsselung nach Migrationshintergrund gibt die PKS nicht her.
- Touristen, Pendler und Reisende sind enthalten. Wer als Tourist in der Innenstadt beim Taschendiebstahl erwischt wird, taucht in der Kölner Statistik auf, auch wenn er in Paris, Warschau oder Hamburg wohnt. Bei einigen Delikten erklärt das einen erheblichen Teil der nichtdeutschen Anteile.
- Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten kriminalitätsbelastete Gruppe. Da die in Köln lebende nichtdeutsche Bevölkerung im Schnitt jünger und männerlastiger ist als die deutsche, ergeben sich allein daraus rechnerisch höhere Anteile, ohne dass daraus eine Aussage über einzelne Personen folgt.
- Das Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Anzeigequoten unterscheiden sich nach Delikt, sozialem Umfeld und Wohnlage und beeinflussen, welche Fälle überhaupt in die Statistik einfließen.
Häufige Fragen zur Kriminalität in Lindenthal
Gibt es eine eigene Kriminalstatistik für den Stadtbezirk Lindenthal?
Nein. Die Polizei NRW und die Polizei Köln veröffentlichen die Polizeiliche Kriminalstatistik nur für das gesamte Stadtgebiet Köln, nicht aufgeschlüsselt nach Stadtbezirken oder einzelnen Stadtteilen.[1] Verlässliche amtliche Fallzahlen ausschließlich für Lindenthal liegen daher nicht vor. Wer eine fertige Stadtteilrangliste präsentiert, arbeitet mit Schätzungen.
Wie viele Straftaten gab es 2025 in Köln insgesamt?
Im Stadtgebiet Köln wurden 2025 insgesamt 142.452 Straftaten erfasst, rund 2,4 Prozent weniger als 2024 (145.939 Fälle). Die Aufklärungsquote lag bei 50,38 Prozent.[2]
Welche Delikte sind 2025 in Köln am stärksten gestiegen oder gesunken?
2025 gingen die meisten großen Deliktbereiche in Köln zurück: Straßenraub sank um 21,33 Prozent, Wohnungseinbruch um 20,33 Prozent, Drogendelikte um 24,33 Prozent und der Diebstahl an oder aus Kfz um 17,81 Prozent.[3] Damit hat sich der Anstieg beim Wohnungseinbruch aus dem Vorjahresbericht wieder umgekehrt. Deutlich gestiegen sind dagegen Betrugsdelikte (plus 8,96 Prozent).
Gilt Lindenthal als sicherer Stadtteil?
Lindenthal ist ein wohlhabender Wohnbezirk im Kölner Westen und gilt allgemein als ruhiger als die Innenstadt rund um Dom, Hauptbahnhof und die Ringe. Belegen lässt sich das mit amtlichen Stadtbezirkszahlen aber nicht, weil die Polizei keine Daten auf dieser Ebene erhebt. Für die ruhigen Einfamilienhaus- und Villenlagen ist der stadtweit steigende Wohnungseinbruch das wichtigste Thema.
Wie hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in Köln?
Bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2025 stadtweit bei 40,67 Prozent, leicht niedriger als im Vorjahr (42,3 Prozent).[2] Einschließlich ausländerrechtlicher Verstöße, die nur Nichtdeutsche begehen können, lag der Anteil 2025 bei 44,4 Prozent (Vorjahr 47,4 Prozent). Wichtig: die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund, und enthält auch Touristen, Pendler und reisende Täter.
Wie hat sich die Kriminalität in Köln über die Jahre entwickelt?
Nach einem Tief in den Coronajahren 2020 und 2021 (rund 123.600 und 119.500 Fälle) stiegen die Zahlen bis 2023 auf fast 150.000 Straftaten. 2024 und 2025 sanken sie zwei Jahre in Folge, zuletzt auf 142.452 Fälle.[2] Für den Stadtbezirk Lindenthal selbst liegen keine gesonderten Zeitreihen vor.